Aktuelle Lage der Unternehmensfinanzierung
Die finanzielle Situation vieler kleiner und mittlerer Unternehmen bleibt angespannt. Immer mehr Betriebe berichten über erhebliche Schwierigkeiten, bei Banken Kredite zu erhalten. Laut aktuellen Erhebungen gaben im vierten Quartal 2025 nahezu 38 Prozent der mittelständischen Unternehmen an, dass die Kreditvergabe durch strengere Anforderungen erschwert sei. Dies stellt den höchsten Wert seit Beginn dieser Erhebungen dar. Der Anstieg von knapp vier Prozentpunkten gegenüber dem vorherigen Quartal unterstreicht die zunehmende Zurückhaltung der Banken, insbesondere im Hinblick auf wirtschaftlich unsichere Branchen. Auch Großunternehmen spüren eine deutliche Verschärfung, wenn auch in geringerem Maße.
Ursache dieser Entwicklung ist eine Kombination aus konjunkturellen Unsicherheiten, geopolitischen Risiken und strukturellen Herausforderungen, etwa in der Energieversorgung, im Fachkräftemangel oder bei der Digitalisierung. Kreditinstitute reagieren auf diese Faktoren mit einer vorsichtigeren Bewertung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten ihrer Geschäftskunden. Daraus resultiert, dass auch solide geführte Betriebe mit stabilen Kennzahlen zunehmend Nachweise erbringen müssen, um Fremdkapital zu erhalten. Besonders problematisch ist diese Entwicklung für Investitionsvorhaben im Mittelstand, bei denen die Finanzierung traditionell über klassische Bankdarlehen erfolgt.
Auswirkungen auf verschiedene Unternehmensgrößen und Branchen
Besonders deutlich zeigt sich die Verschärfung der Kreditbedingungen im Einzelhandel und in den Dienstleistungssektoren. Etwa 45 Prozent der Einzelhändler und über 41 Prozent der Dienstleister gaben an, dass sie auf Hürden bei der Finanzierung stoßen. Diese Werte markieren einen Höchststand in beiden Branchen. Viele Betriebe sehen sich dadurch gezwungen, Investitionen in Ladenmodernisierung, Digitalisierung oder neue Geschäftsfelder aufzuschieben. Im verarbeitenden Gewerbe ist das Bild differenzierter: Zwar bestehen auch hier Zweifel an der Finanzierungsbereitschaft der Banken, jedoch gelten die Betriebe vielfach als stabiler und verfügen über Sachwerte, die zur Besicherung dienen können.
Im Großunternehmen-Segment sind die Hürden ebenfalls gestiegen, etwa auf knapp 30 Prozent. Besonders betroffen ist dort der Großhandel mit einer Quote von über 40 Prozent. Diese Entwicklung zeigt, dass die aktuelle Unsicherheit nicht nur kleinere Betriebe trifft, sondern branchenübergreifend spürbar geworden ist. Auch in kapitalintensiven Branchen wie Gesundheitswesen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern steigt der Druck. Öffentliche und private Träger müssen zunehmend auf alternative Finanzierungsformen zurückgreifen, um Investitionen in Infrastruktur oder Digitalisierung zu finanzieren.
Gründe für das geringe Finanzierungsinteresse
Interessanterweise bleibt das grundsätzliche Interesse an neuen Finanzierungen im Mittelstand weiterhin gering. Nur etwa ein Fünftel aller Unternehmen führte im betrachteten Zeitraum überhaupt Kreditverhandlungen. Dies deutet darauf hin, dass viele Betriebe angesichts schwacher Konjunkturperspektiven und steigender Zinsen Investitionen zurückstellen. Auch die Unsicherheit über zukünftige politische Rahmenbedingungen wirkt bremsend. In Zeiten, in denen Zinskosten sinken, wäre grundsätzlich eine Zunahme der Kreditnachfrage zu erwarten, doch die ausbleibende wirtschaftliche Dynamik verhindert diesen Effekt.
Viele Unternehmen greifen stattdessen auf Eigenmittel zurück oder reduzieren Investitionen auf das Nötigste. Diese Entwicklung kann langfristig die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen, insbesondere weil wichtige Zukunftsthemen wie Energieeffizienz, Prozessautomatisierung und digitale Transformation Investitionen erfordern. Kleine und mittlere Betriebe, die keine Rücklagen haben, geraten dadurch in eine gefährliche Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Gesamtlage. Für Onlinehändler und technologieorientierte Dienstleister, die stark auf Innovationszyklen angewiesen sind, kann das eine ernsthafte Wachstumsbremse darstellen.
Handlungsansätze für Unternehmen und Finanzpartner
Um der zunehmenden Kredithürde wirksam zu begegnen, ist es entscheidend, die Transparenz in der eigenen Finanzplanung zu erhöhen. Unternehmen sollten frühzeitig mit ihren Finanzierungspartnern in Austausch treten und aktuelle Zahlen, Geschäftsmodelle und Zukunftsstrategien offenlegen. Eine verbesserte Datenbasis schafft Vertrauen und kann die Chancen auf Kreditbewilligung erheblich steigern. Gleichzeitig hilft eine konsequente Digitalisierung der Buchhaltungs- und Controllingprozesse, Risiken aus Sicht der Banken besser darzustellen. Wer etwa auf digitale Buchführungssysteme mit automatisierten Auswertungen setzt, kann Liquiditätsentwicklungen und Ertragslage in Echtzeit nachweisen und reagiert somit flexibler auf Rückfragen der Kreditgeber.
Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, die Finanzierungsstruktur zu diversifizieren. Leasing, Factoring oder öffentliche Fördermittel stellen ergänzende Finanzierungssäulen dar, die insbesondere in Phasen strenger Kreditpolitik Sicherheit bieten. Mittelständische Betriebe profitieren auch von regionalen Förderbanken und speziellen Programmen für Digitalisierung oder Energieeffizienz, die häufig bessere Konditionen aufweisen als klassische Bankdarlehen. Entscheidend bleibt, dass die Finanzplanung strategisch gedacht wird und nicht erst erfolgt, wenn Liquiditätsengpässe bereits eingetreten sind.
Eine nachhaltige Erholung des Finanzierungsklimas wird allerdings auch von einer allgemein positiven Wirtschaftsentwicklung abhängen. Erst wenn Unternehmen wieder verstärkt Wachstumsperspektiven sehen, dürfte die Nachfrage nach Krediten ansteigen und zugleich die Risikobewertung der Banken milder ausfallen. Bis dahin wird operative Effizienz in Kombination mit transparenter Finanzkommunikation der Schlüssel sein, um Finanzierungsspielräume zu sichern.
Unsere Kanzlei unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, genau diese Voraussetzungen zu schaffen: durch die Digitalisierung der Buchhaltung, durch effiziente Prozessgestaltung und durch strategische Beratung bei Finanzierungsentscheidungen. Mit unserem Fokus auf Prozessoptimierung helfen wir Betrieben, ihre finanziellen Abläufe zu verschlanken, Kosten zu senken und Liquidität planbarer zu gestalten. So sichern wir gemeinsam langfristige Stabilität – auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.
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